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Verhaltensökonomik und KI: Der IKEA-Effekt

Oder: When Labor Leads to Love

Wenn Kinder ein Bild gemalt oder etwas gebastelt haben, sind sie stolz darauf. Dabei ist es egal, ob Erwachsene ewig brauchen, bis sie endlich erraten haben, was das Kunstwerk darstellen soll. Als Erwachsene haben wir das Gefühl, dass uns diese Gabe irgendwie verloren gegangen ist. Aber ist das wirklich so?

Quelle: Ariely et al. (2012)

Ein Team von Verhaltensökonomen um Dan Ariely haben eine ähnliche Frage untersucht, und Ihre Ergebnisse im folgenden Artikel zusammengefasst: Norton, Michael I., Daniel Mochon, and Dan Ariely (2012): “The IKEA Effect: When Labor Leads to Love.” Journal of Consumer Psychology 22 (3), 453–460. In ihrem Experiment haben sie Studierende Origami-Frösche und -Kraniche nach Anleitung erstellen lassen und dann die Zahlungsbereitschaft für die Kunstwerke abgefragt. Die Studierenden waren bereit, für ihre eigenen Kunstwerke durchschnittlich 23 Cent zu bezahlen. Wurden andere Studierende nach ihrer Zahlungsbereitschaft für die Amateurarbeiten befragt, gaben diese durchschnittlich 5 Cent an. Interessanterweise waren die Nicht-Schöpfer allerdings bereit, durchschnittlich 27 Cent für professionelle Origami-Kunst zu zahlen - was gar nicht soweit davon entfernt ist, was Schöpfer für ihre eigenen Werke zu zahlen bereit sind.

Was hat das jetzt mit KI zu tun? KI-Designer sollten den IKEA-Effekt im Hinterkopf behalten. Personalisierte Produkte werden beispielsweise immer populärer. Je nach Komplexitätsgrad der Personalisierbarkeit könnte man auf die Idee kommen, den Kunden etwas Gutes zu tun und mit einer KI zu unterstützen. Anstatt sie das Produkt selbst Stück für Stück konfigurieren zu lassen, könnte man Bilder von verschiedenen Ausführungen zeigen und diese vom Kunden bewerten lassen. Die KI setzt dann das Lieblingsprodukt des Kunden ganz von selbst zusammen, und dieser muss vielleicht nur noch Kleinigkeiten anpassen. Wie aber die Arbeit von Ariely und seinen Koautoren zeigt, muss man schon etwas Arbeit investieren, um eine Bindung zum Endergebnis aufbauen zu können. Das Ausmaß der Unterstützung durch die KI sollte dementsprechend sorgsam abgewogen werden und eine Balance zwischen User Experience und dem IKEA-Effekt herstellen. Denn: Man kann den Bogen mit der geforderten Arbeitsleistung auch überspannen und Frustration tut der Liebe zu etwas nie gut.

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